Schweden - Göteborg - 2006/07 - 1

Göteborg University, Schweden

Studienaufenthalt: WS 2006/07
Austauschprogramm: SOKRATES / ERASMUS


 

Vorbereitung

Bevor ihr auf die Fähre oder ins Flugzeug steigt und euch auf den Weg nach Göteborg macht, müsst ihr eine ganze Menge Dinge erledigen. Keine Angst, im Grunde ist alles ganz einfach! Ich hoffe, ich bekommen jetzt noch alles zusammen ...
Also als erstes müsst ihr rechtzeitig zum Erasmus-Koordinator Kontakt aufnehmen. Zur Zeit ist das in der Physik in Kiel Prof. Berndt. Rechtzeitig bedeutet ein paar Wochen vor dem Stichtag, bis zu dem die Aufnahmeerklärung beim International Center abgegeben werden muss. Wenn der Koordinator euch „auserwählt“ (wir waren zwei Interessenten für einen Platz in Göteborg, konnten aber auf Nachfrage beide gehen), muss er nur die Aufnahmeerklärung unterschreiben und ans International Center weiterleiten.
Im Gegensatz zu anderen Programmen braucht ihr keinen Sprachtest zu machen, doch empfiehlt sich zumindest der Schwedisch I – Kurs.
Für eine ganze Weile hört ihr dann erstmal gar nichts, was mich zwischenzeitlich schon etwas beunruhigt hat. Aber keine Bange, alle Infos werden euch per Email rechtzeitig zugeschickt. Am wichtigsten ist dabei der Zugangscode für die Anmeldung zum Wohnheim, Sprachkurs und Study-Buddy-Programm. Ihr müsst einfach nur ein Online-Formular ausfüllen und die Bestätigungs-Email ausdrucken und nach Göteborg faxen. Bei den Wohnheimen könnt ihr mehrere auswählen. Ich habe hier „Olofshöjd“ ausgewählt, da es dicht zur Uni liegt und „günstig“ (ca. 340,- Euro/Monat) ist. In den anderen Wohnheimen habt ihr zwar auch noch eine eigene Küche, aber wenn man darauf verzichten kann, so ist Olofshöjd die beste Wahl. Hier wohnen zudem noch die meisten anderen und man bekommt schnell Kontakt zu vielen Leuten! Die Rechnung, Infos zur Anreise und Zimmerübernahme, Sprachkurs etc. treffen nach und nach ab Anfang Juli bei euch per Email ein.
Parallel zu all dem solltet ihr euch auf der Seite der Uni Göteborg (www.gu.se), bzw. der Technischen Hochschule (www.chalmers.se) über das Kursangebot informieren. Beide Unis arbeiten eng zusammen und haben in Physik und Chemie gemeinsame Masterprogramme in englischer Sprache. Natürlich kann man auch eine der zahlreichen schwedischen Vorlesungen besuchen. Wenn ihr ungefähr wisst, was ihr machen wollt, so solltet ihr euch auf der Internetseite des Exchange Student Service die Liste der Erasmus-Koordinatoren heraussuchen. In meinem Fall war das Arne Nyberg. Ihm könnt ihr das "Learning Agreement" vorab per Post zuschicken und ihn das unterschreiben und zurückschicken lassen. Vorher muss es von dem Koordinator in Kiel unterzeichnet werden. Bitte beachtet, dass 1 schwedischer Punkt 1,5 ETCS-Punkte sind. Neben dem Sprachkurs sollte man maximal zwei Veranstaltungen mit „50%/Tag“ besuchen. Es sei noch erwähnt, dass das schwedische Semester in der Mitte unterteilt ist. Ende Oktober gibt es teilweise schon die ersten Klausuren. Viele Kurse laufen auch nur ein halbes Semester.
Für einen Erasmus-Studenten in Göteborg ist das alles also gut organisiert. Jetzt nur nicht vergessen, rechtzeitig die Fähre zu buchen, vielleicht noch in Deutschland ein Konto bei der SEB-Bank zu eröffnen (geht aber auch in Göteborg), um kostenlos an Bargeld heranzukommen. Eine Kreditkarte ist ebenfalls sehr hilfreich.

Betreuung und Aufnahme, Unterbringung

In den Emails, die ihr so bekommt steht recht genau drin, wann ihr wo eure Schlüssel für euer Zimmer abholen könnt. Als ich kurz darauf mein Zimmer das erste Mal betreten habe, fand ich es leider in einem extrem dreckigen Zustand vor. Naja, nach gründlichem Putzen sah es dann auch schon ganz anders aus. Das Zimmer war relativ groß (ca. 15 qm), hatte ein eigenes Bad mit kleiner Badewanne.
Zum Glück hatte ich in den ersten Tagen ein Auto da und konnte dann erstmal eine große Ikea-Tour machen. Man kommt da aber auch gut mit dem Bus hin. Mit neuer Matratze (270 Kronen), Vorhängen, etwas Bezugsstoff für den alten Sessel ist das Zimmer schnell wohnlich geworden. Mietet euch bloß nicht das angebotene Erasmus-Paket vom Exchange Student Service (ESS) für 150,- Kronen im Monat. Mit Töpfen, Matratze, Teppichen uvm. habe ich bei Ikea weniger als 100 Euro ausgegeben!
In den Tagen nachdem ich hier angekommen bin, habe ich mich noch mit dem Erasmus-Koordinator in der Physik in Verbindung gesetzt. Ein recht verwirrter Typ. Wichtig war, dass er die Ankunftsbestätigung nach Kiel gefaxt hat. In der Woche darauf hatte er dann auch die Starttermine der Kurse herausgesucht, eine Zugangskarte zum Physikgebäude organisiert und - ganz wichtig - den „Letter of Registration“ fertig gestellt. Erst damit könnt ihr alles Weitere (Bibliothek, Internetzugang,...) in Angriff nehmen.
Um von eurem Zimmer ins Internet zu kommen, müsst ihr euch einen Account holen. Alle Infos dazu stehen in der Mappe, die ihr bei eurer Ankunft beim ESS bekommt. Eigenes Netzwerkkabel nicht vergessen!
Eine Woche bevor die eigentlichen Kurse starten, gibt es für die Erasmusstudenten ein Welcome-Programm des ESS. Es begann am Montag, den 28.8. mit einer Begrüßung in der „Aula“ der Uni. Dort erzählen sie euch auch etwas über die 14 verschiedenen Studentenverbindungen. Schwedische Studenten müssen Mitglied in einer werden, als Erasmus-Student ist das aber nicht erforderlich.
Nicht verpassen dürft ihr die Begrüßung beim Bürgermeister. Seine Rede dauerte ca. 30 Sekunden und das Buffet war sehr lecker! Ansonsten haben wir uns noch mit unsere Studdy-Buddy-Gruppe (ca. 10 Erasmusstudenten und 3 Studdy-Buddies) getroffen und es gab eine Einführung in die Bibliothek.

Studium und Universität (Besonderheiten etc.)

Die Uni an sich ist über die ganze Stadt verteilt, doch befindet sich die Physik auf dem Campus der Technischen Hochschule Chalmers. Die Chalmers befindet sich ca. zehn Minuten zu Fuß vom Wohnheim entfernt. Die Vorlesungen aus den Masterprogrammen sind alle auf Englisch, man kann jedoch auch bei anderen Kursen einfach mal fragen. Auch wenn (fast) alle Vorlesungen 7,5 ECTS-Punkte bringen, ist das Arbeitspensum doch sehr unterschiedlich. Insgesamt habe ich vier Kurse besucht. In der ersten Hälfte waren das eine Vorlesung über „Soft condensed matter“ (Prüfung: Klausur) und ein Praktikum über Spektroskopie Methoden (ca. 20 Laborstunden/Woche + Protokolle). In der zweiten Hälfte besuchte ich eine Vorlesung über „Surface processes“ (3 Vorträge + Ausarbeitungen) und eine Vorlesung über „Fuel cells“ (Home exam).
Die Ausstattung der Uni ist in allen Bereichen (Lehrsäle, Labore) sehr gut. Einziges Manko ist die Bibliothek. Die meisten Bücher sind nur im Präsenzbestand verfügbar.

Sprachkurse

Für alle Erasmus-Studenten wird ein Sprachkurs angeboten. Dieser umfasst vier Semesterwochenstunden. Nach den ersten sieben Wochen gibt es eine Klausur, die die bestehen, dürfen dann noch den zweiten Kurs besuchen.

Freizeit

In einem halben Jahr wird einem in Göteborg bestimmt nicht langweilig. Neben diversen Partys gibt es viel zu sehen. Z.B. sind zu empfehlen:

  • Fahrten auf die Schären. Man kann dort prima baden, grillen, Feuer machen...
  • die Haga (Altstadt)
  • ein Besuch im Slottskogen (Schlosswald). Dort gibt es einheimische Tiere (z.B. Elche)
  • Universeum (Naturkundemuseum, sehr interessant)
  • Und natürlich: Fika (Kaffee trinken in einem der tausenden Cafés)

 

Kosten

Die Miete für das Wohnheim war mit ca. 340,- Euro im Monat nicht gerade günstig. Immerhin hat man ein eigenes Bad und der Internetzugang ist inklusive. Ansonsten sind Lebensmittel (besonders Obst und Gemüse) ca. 30 % teurer als in Deutschland. 

Links/Hilfreiche Informationsquellen

 

Fazit

Göteborg ist eine echt schöne Stadt in der es sich gut leben lässt. Man lernt schnell viele nette Leute kennen und langweilig wird es bestimmt nicht. Fachlich habe ich auch einiges mitgenommen. Scheine werde ich mir wohl nicht anrechnen lassen können, aber ich habe Vorlesungen gehört, die in Kiel nicht angeboten werden und mein Fachenglisch konnte ich auch stark verbessern. Insgesamt kann ich sagen, dass sich das Semester in Göteborg auf jeden Fall sowohl für mein Studium als auch für mich privat absolut gelohnt hat.

 


Der vollständige Erfahrungsbericht inklusive Kontaktdaten kann im International Center eingesehen werden.