Schweden - Göteborg - 2006/07 - 2

Göteborg University, Schweden

Studienaufenthalt: Studienjahr 2006/07
Austauschprogramm: SOKRATES / ERASMUS


 

Allgemeines

Ich studiere Physik auf Diplom an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und habe nun ein Jahr lang mit dem Erasmus-Austauschprogramm der EU an der Göteborgs universitet in Göteborg studiert. Als ich nach Göteborg gegangen bin hatte ich gerade das 6. Semester in Kiel beendet, also habe ich mein 7. und 8. Fachsemester in Göteborg studiert.

Vorbereitung

Dass ich während des Studiums ins Ausland gehen wollte wusste ich schon früh, daher habe ich auch schon etwa ein Jahr vor meinem Aufbruch angefangen mich zu erkundigen, wie das von Statten gehen soll. Zunächst hatte ich geplant schon nach dem 5. Semester (also zum Sommersemester) nach Göteborg zu gehen, aber da das Frühlingssemester hier schon Mitte Januar beginnt war dies leider nicht möglich. Vielleicht wäre es möglich, wenn man zum Studium in Deutschland nicht unbedingt anwesend sein muss und wenn man mit den Professoren redet, in meinem Fall ging es leider nicht.
Als wir uns dann mit allen Physikstudenten die dieses Jahr ins Ausland gehen wollten bei dem Programmbeauftragten Herrn Prof. Dr. Berndt trafen, stellte sich heraus, dass wir zwei Bewerber auf einen Erasmus-Platz nach Göteborg waren. Frau Dr. Grunwald vom Kieler Internatinal Center versicherte mir, dass es aber kein Problem sei einen zweiten Platz zu schaffen, sofern die Gasthochschule nichts dagegen hat und ich mich selbst um diese Zusage kümmere. Auf eine kurze Anfrage bei dem Göteborger Programmbeauftragten Arne Nyberg kam schnell eine positive Antwort und wir konnten beide fahren.
Etwas schwierig war für mich im Vorfeld herauszufinden, welche Kurse hier angeboten werden, dafür habe ich einige Links im Anhang beigefügt. In Göteborg gibt es nämlich zwei Universitäten, die GU und die Chalmers Tekniska Högskola, eine technisch ausgerichtete Universität. Zum Glück ist es für Physikstudenten möglich, Kurse beider Universitäten zu besuchen, was die Auswahl deutlich vergrößert.
Vor der Abfahrt musste in Deutschland noch das Learning Agreement ausgestellt und unterzeichnet werden, eine Liste der Kurse die man besuchen will und gleichzeitig ’Versicherung, dass diese an der Heimathochschule anerkannt werden’ und dass man sie an der Gasthochschule besuchen kann. Da darauf aber nicht vermerkt ist als was sie anerkannt werden sollen und Frau Prof. Dr. B. Schrempp, die wie mir gesagt wurde dafür zuständig sei auch nicht wusste, was der Inhalt der Kurse im Detail ist und auch keiner die Zeit hatte dies für eine Anerkennung genau genug herauszufinden, wurde mir das Learning Agreement mit der Versicherung es sei nur eine Formalität und hätte keinen Einfluss auf die Anerkennung, unterschrieben. Was nun anerkannt wird werde ich erst wieder in Kiel sehen. Mein Kommilitone, der schon wieder in Kiel ist, da er nur ein Semester geblieben ist, hat immerhin einen seiner 4 Kurse, den ich auch besucht habe, anerkannt bekommen. Einige Kurse sind aber auch nicht anerkennbar, da es kein Äquivalent in Kiel gibt.
Ansonsten musste man sich als Vorbereitung noch an der GU anmelden und sich ein Wohnheim aussuchen. Zu mindest die Anmeldung war sehr einfach, da man sehr gut informiert wurde. Zum Wohnheim mehr unter ’Unterbringung’.

Anreise

Das praktische daran als Kieler Student in Göteborg zu studieren ist, dass man direkt mit der Fähre der Stenaline fahren kann. Die einfache Fahrt kostet etwa 70 EUR, man kann sein Fahrrad und so viel Gepäck wie man tragen kann kostenlos mitnehmen. In meinem Falle waren es schätzungsweise 60kg plus mein Fahrrad, mit dem Flugzeug wäre das teuer geworden. Wenn man sein Gepäck also mit dem Auto zur Fähre bringen lässt, in Göteborg ein Taxi nimmt (bei mir 20 EUR inkl. warten, als ich im Büro meinen Zimmerschlüssel abgeholt habe) und das Fahrrad später am Fährterminal abholt, ist das Ganze kein Problem. Da billige Fahrräder zu Beginn des Semesters hier sehr begehrt sind ist es schwierig eines zu bekommen, daher sollte man meiner Meinung nach die Gelegenheit nutzen eines mitzubringen, wenn es schon kostenlos geht aus Kiel.

Betreuung und Aufnahme

Die GU ist sehr bemüht die Austauschstudenten Willkommen zu heißen. Während der Begrüßungswoche gab es viele Veranstaltungen während derer man sich kennenlernen konnte und bei denen man einiges über die Universität, das Studium und das Leben in Göteborg erfahren konnte. Des Weiteren wurden wir in sogenannte Buddy-gruppen eingeteilt, Gruppen von je etwa 20 Austauschstudenten, die von 2 schwedischen Studenten betreut wurden, insbesondere auch für die Freizeitgestaltung und erste Ausgehtips und Treffen. Dies hat von Gruppe zu Gruppe unterschiedlich gut funktioniert, aber Freunde zu finden war so oder so kein Problem, das geht zu mindest unter Austauschstudenten sehr schnell.

Unterbringung

Ich wohne in Göteborg in dem Studentenwohnheim Olofshöjd, welches ich mir ausgesucht habe, weil es das billigste war, etwa 330 EUR pro Monat für ein Zimmer mit eigenem Bad und Gemeinschaftsküche (4 oder 8 Personen). Olofshöjd ist eine Art Studentendorf mit einigen Freizeitangeboten wie eine kostenlos reservierbare Sporthalle, Saunen und Grillplätzen. Es ist eine recht große Anlage, wodurch die meisten meiner Freunde auch hier wohnen, was spontanen Aktionen sehr förderlich ist.
Zum Chalmers Campus braucht man zu Fuß etwa 15 Minuten, zur GU Universitäsbibliothek und einigen Fakultäten auch, da die GU aber über die ganze Stadt verteilt ist, lässt sich das schwer allgemein sagen. Meine Kurse fanden alle auf dem Chalmers Campus statt, also war es für mich sehr dicht. Wenn man abends weggehen will und man keine Lust hat in die Olofshöjd eigene Bar ’Café Olof’ zu gehen (hier lernt man am einfachsten andere Austauschstudenten kennen) braucht man in die Stadt, zum Beispiel zum Järntorget wo viele Bars sind, etwa 50 Minuten zu Fuß, hier bietet sich das Fahrrad an, oder man nimmt die Tram, das dauert dann etwa 20 Minuten und kostet hin (vor 12) 15 SEK (1.65 EUR) und zurück (nach 12) das doppelte.
Mit dem Zimmer und der Küche kann man Glück oder Pech haben, ich hatte Glück und habe ein recht großen Zimmer (etwa 16 m2) bekommen. Für den gleichen Preis kann man allerdings auch ein gut halb so großes Zimmer bekommen. Die Bäder haben eine Badewanne oder eine Dusche sowie eine Toilette und ein Waschbecken, was man eben so braucht. Die Möblierung ist auch ausreichend, allerdings fehlt im Allgemeinen (wenn man nicht grade Glück hat) eine Matratze, die muss man sich dann am besten bei IKEA kaufen, ebenso Geschirr etc., wobei davon oft auch genug in der Küche zu finden ist. Das so genannte Erasmuspackage sollte man nicht mieten, das ist viel zu teuer und die Sachen sind nicht wirklich gut. Das habe ich allerdings nur aus zweiter Hand erfahren.
Im Preis ist alles inbegriffen, Strom, Wasser, Heizung, sehr schnelles Internet sowieWaschmaschinenbenutzung usw.

Studium und Universität

So gut wie alle fortgeschrittenen Physik-kurse werden auf englisch gehalten, also ergibt sich an dieser Stelle kein sprachliches Problem. Das Semester ist zweigeteilt und die meisten Kurse geben 7.5 ECTS-Punkte (5 schwedische Punkte), so dass man pro Semester 4 Kurse machen muss um 30 ECTS-Punkte zu sammeln. Wenn man also pro Halbsemester zwei Kurse besucht ist das Soll erfüllt. Je nach Kursen ist das gut machbar, ich kenne auch einige die drei Kurse pro Halbsemester besucht haben. Im Gegensatz zum Studium in Deutschland sind die Kurse also deutlich konzentrierter und man kann sich recht gut in das Thema einarbeiten. Interessant ist, dass die Praktika hier häufig in Form von einzelnen Versuchen in die Kurse integriert sind, nicht wie an der CAU Kiel als einzelne Kurse angeboten werden. Es ist zwar thematisch interessanter einen Versuch zur aktuellen Vorlesung zu machen, andererseits waren zu mindest in meinen Kursen die Experimentiergruppen viel zu groß und die Versuche verhältnismäßig trivial. Außerdem beinhalten die Kurse oft auch kleinere Vorträge oder Seminare, was meiner Meinung nach sehr förderlich ist.
Es ist deutlich zu merken, dass die Universitäten hier mehr Geld zur Verfügung haben als in Kiel, sei es, dass die Labor- und Seminarraumausstattung deutlich besser ist, es viele studentische Aufenthaltsräume mit gemütlichen neuen Ledersofas gibt, oder dass
die Lehrkräfte Zeit und Lust haben einem zu helfen.
Eine Mensa fehlt leider, auch wenn man auf dem Chalmers Campus im Haupthaus essen kaufen kann, die Auswahl ist recht klein und Preise recht hoch. Ich habe dort nie gegessen. Sehr üblich ist dafür sich ein großes Sandwich in einem der viele Läden rund um den Campus zu kaufen, das ist für etwa 2.50 EUR inkl. Getränk sehr günstig und gut.
Bemerkenswert ist auch, dass es in der Bibliothek so gut wie keine Lehrbücher gibt, wenn dann nur einmal, so dass die Kursliteratur am besten gekauft wird. In einigen Kursen kommt man aber auch ohne die empfohlene Literatur aus.

Sprachkurs

Zu Beginn meines Aufenthaltes in Göteborg habe ich an einem kostenlosen Sprachkurs teilgenommen, ich hatte keinerlei Vorkenntnisse in Schwedisch. Immerhin habe ich ein paar Sätze und einige Grundlagen gelernt, aber da ich mir nicht das Ziel gesetzt hatte schwedisch zu lernen sondern eher mein Englisch verbessern wollte und auch in der Uni und mit Freunden eigentlich nur englisch geredet habe, ist mein Schwedisch eher schlecht.
Wenn man die Sprache aber lernen will und sich Mühe gibt, ist der Kurs ein sehr guter Einstieg. Ein anderes Problem beim Schwedisch lernen ist, dass fast alle Schweden sehr gut englisch sprechen und sofort zu englisch wechseln, wenn sie merken, dass man nicht so gut schwedisch spricht. Wenn man es also üben will, muss man erstmal Überzeugungsarbeit leisten.

Freizeit

In seiner Freizeit kann man in Göteborg eigentlich alles machen, was man sonst auch machen kann. Besonders schön sind die vielen Cafés, zum Beispiel in Haga, oder ein Ausflug auf die Schären oder an den Delsjön, ein See mit Erholungsgebiet in der Nähe. Wer Sport treiben will kann dies recht günstig bei Fysiken machen, das entspricht dem Hochschulsport in Kiel und gehört zu der Vereinigung der Studentenverbindungen.
Wenn man abends Ausgehen will, hat man relativ viele Möglichkeiten, zumindest im Vergleich zu Kiel. Besonders nett ist das sogenannte Afterwork, jeden Freitag ab 17:00 Uhr in den meisten Bars, wo man zum Getränk kostenlos vom Buffet essen kann. Oft gibt es dabei auch zwei Getränke zum Preis von einem, so dass das Ganze recht günstig ist.

Kosten

Alles in Allem ist Schweden teurer als Deutschland, bzw. Kiel. Im Supermarkt ist das meiste etwas teurer, im Schnitt vielleicht 30%. Wenn man aber etwas aufpasst, kann man sich auch hier günstig ernähren.
Ein Semesterticket gibt es leider nicht, ansonsten sind die öffentlichen Verkehrsmittel mit innerstadts 15 SEK (1.65 EUR) für 90 Minuten relativ günstig, nur der Nachttarif ab 00:00 Uhr ist mit dem doppelten Preis recht teuer.
In der Bar kostet ein Bier zwischen 25 SEK (2.80 EUR) und 60 SEK (6.50 EUR), mansollte also gucken, wo man hin geht. Es ist üblich, dass man auch in Bars die Garderobe abgeben muss, was meistens mit 20 SEK (2.20 EUR) zu Buche schlägt. Eintritt zu den meisten Clubs ist zwischen 60 SEK (6.60 EUR) und 100 SEK (11 EUR). Der Alkohol ist in Schweden allerdings deutlich teurer, eine Dose billigstes Bier kostet 11 SEK (1.20 EUR), ein billiger Wein etwa 50 SEK (5.50 EUR) und eine Flasche Wodka gibt es ab 180 SEK (20 EUR).

Fazit

Alles in Allem hat mir mein Aufenthalt in Schweden sehr gut gefallen und ich kann es nur empfehlen. Man lernt viele nette Leute aus der ganzen Welt kennen, lernt sich in einem anderen Land zurecht zu finden (auch wenn Schweden nicht so sehr von Deutschland verschieden
ist), verbessert seine Sprachkenntnisse und macht im Allgemeinen eine Menge nützlicher Erfahrungen.
Die Studienzeit mag sich durch den Auslandsaufenthalt vielleicht etwas verlängern, aber das ist es mir allemal wert. Die Mehrkosten halten sich in Grenzen, hätte ich keine laufenden Kosten mehr in Deutschland wäre ich mit etwa 25% mehr ausgekommen.
Ansonsten ist Göteborg eine sehr schöne Stadt und die Schweden sind sehr nett. Da Göteborg wie Kiel eine Hafenstadt ist, ist die Umstellung allerdings nicht so groß (bis auf die vielen Berge in Göteborg), auch das Wetter mit Wind und Regen im Herbst kommt einem mitunter sehr vertraut vor. Wer den dunklen Winter durch hält, wird mit einem schönen und hellen Frühling belohnt.

Nützliche Links

 


Der vollständige Erfahrungsbericht inklusive Kontaktdaten kann im International Center eingesehen werden.