Schweden - Lund - 2005/06

Universität Lund, Schweden

Studienaufenthalt: WS 2005/06
Austauschprogramm: SOKRATES / ERASMUS


 

Einleitung

Wir sind zwei Physikstudenten der Universität Kiel und haben im 5. bzw. 6. Fachsemester den Sprung ins Ausland gewagt. Es war eine mehr oder weniger spontane Aktion nach Schweden zu gehen, da wir nach englischsprachigen Universitäten Ausschau gehalten haben. So hatten wir auch nur ein Semester Zeit, einen vorbereitenden Schwedischkurs aus dem Angebot der Uni wahrzunehmen, bei dem wir allerdings alle wesentlichen Grundlagen erlernen konnten, da die Sprache keine allzu großen Schwierigkeiten für Deutsche aufweist.

Organisatorsiches

Zunächst musste für unser Vorhaben ein passender Koordinator gefunden werden. Da in der Abteilung Physik der mathematisch- naturwissenschaftlichen Fakultät keine Kooperation vorhanden war (ist?), fanden wir nach einer Suche in den Erasmus-Formularbergen der CAU Herrn Mäder in der physikalischen Chemie, der sich auch sofort bereit erklärte, uns bei unseren Bemühungen zu unterstützen. Eine erste Anfrage in Lund ergab, dass auch der dortige Koordinator uns an die Physik weiterleiten würde und wir mit den Formalitäten beginnen könnten. Und das war eine Menge. Zunächst musste eine förmliche Bewerbung mit Motivationsletter und bisherigem Studienverlauf an die schwedische Uni verschickt werden, eine Bewerbung an das International Housing Office in Lund, eine Anmeldung an das Internationalcenter Kiel, ein Antrag auf Bafög (nicht so schön bunt wie die üblichen Formulare) an das zuständige Bafög-Amt (Rostock) verschickt werden, ein Antrag für einen kostenlosen Sprachkurs in Lund sowie ein weiterer Antrag für einen Sprachkurs vor Beginn der offiziellen Einführungsveranstaltungen in Lund und die Kurse mussten im Voraus gewählt werden, das weitaus schwerste Unternehmen, wie sich später herausstellen sollte.

Endlich in Lund

Leider versagte bei 3000 Ausstauschstudenten das International Housing Office in Lund und hat 400 Studenten keine Unterkunft anbieten können darunter auch leider wir, da wir anscheinend vergessen wurden, und nicht einmal eine Absage erhalten haben. So mussten wir uns eigenhändig um eine Behausung kümmern, bei mehr als 40000 Studenten in einer 100000 Einwohner zählenden Stadt ein paar Tage vor Studienbeginn kein leichtes Unterfangen. Und so sammelten wir neue Erfahrungen in einem alten schonischen Farmhaus mit zwei schwedischen Mitbewohnern, weit abseits der Zivilisation und zudem ohne Busanbindung - man gut wir hatten zwei brauchbare Fahrräder dabei, da sich die Fahrradsuche als ähnlich problematisch wie die Wohnungssuche darstellt. Für völlig verkehrsuntüchtige und verrostete Exemplare werden bis zu 100 Euro verlangt. Be prepared. Außerdem sollte das Fahrrad Lampen und ausreichende Reflektoren aufweisen, da die örtliche Polizei genau darauf achtet (und mangels Kriminalität viel Freizeit hat :-)) und schnell 50 Euro kassiert. Als praktisch erweist sich ein schwedisches Konto, um auch an den überall vorhandenen Geldautomaten kostenfrei Bargeld erhalten zu können. Dafür ist zwingend ein Letter of Recommendation erforderlich, den man bei seiner Heimat-Bank erhalten kann. Wir erhielten beide allerdings nur ein formloses Schreiben ohne offensichtlichen Inhalt auf Deutsch, das es allerdings getan hat. Ebenso empfehlenswert ist eine schwedische Telefonnummer. Im Land von Sony-Ericsson biete sich da ein Handy an, Prepaid Karten sind einfach und ohne Ausweis fast überall zu bekommen und die Verbindungspreise liegen deutlich unter denen in Deutschland. Für Anrufe nach Deutschland gibt es so genannte Calling Cards (z.B GlobalOne).

Studieren in Lund

Die Universität bietet für Austauschstudenten einen speziellen Arrival Day an, an dem die Studenten mit allen notwendigen Formularen und Informationen zum Auslandsaufenthalt versorgt werden. Zudem erhalten glückliche Gewinner ihren Wohnheimschlüssel überreicht, während wir erstmal den Radweg suchten. Die ersten zwei Wochen fand ein kostenfreier halbtägiger Sprachkurs an der Folksuniversitet statt - in unserer Gruppe leider von fast ausschließlich deutschen Austauschstudenten besucht. Trotzdem haben wir viele Bekanntschaften gemacht, und eine Menge Schwedisch gelernt. In den Einführungswochen bietet die Uni zudem viele Freizeitangebote, wie Kennenlernparties, Ausflüge und Mentorengruppen an, so dass es sehr empfehlenswert ist, auch wirklich zum Arrival Day in Lund anzureisen. Am Ende dieser Phase begannen die Einführungen in der Fysik und die genauere Kurswahl. Wie wir am ersten Vorlesungstag feststellen mussten, steckte uns der Lund-Koordinator in durchweg undergraduate Kurse, zusammen mit allen anderen Austauschstudenten. Es war im nachhinein kein Leichtes, die richtigen Kurse zu finden, die erste Hälfte unseres Aufenthaltes hatten wir daher auch viel Zeit, für andere Aktivitäten um Land und Leute kennenzulernen. Vom Kursangebot insgesamt waren wir etwas enttäuscht, da vieles erst nach unserem Aufenthalt wieder angeboten wurde. Aber ansonsten wurden alle Vorlesungen in mehr oder weniger gutem Englisch angeboten und die Studenten auch zu eigener Projektarbeit angeregt, was an deutschen Unis manchmal etwas zu kurz kommt. Sehr sinnvoll ist es auch, ein oder zwei Vorträge auf Englisch vor den Professoren und Studenten zu halten. Für alle Physikstudenten mit Vordiplom der Hinweis, dass es sich auch lohnt unter den PhD Kursen nach interessanten Angeboten zu suchen.

Leben in Lund

Lund ist eine der traditionsreichsten und größten Universtitätsstädte in Schweden. Als Student in Lund hat man zalreiche Möglichkeiten, die Freizeit zu gestalten. Das Studentenleben ist organisiert in Nationen. Die Nationen sind organisiert von Studenten für Studenten. Hier schreibt man Zeitungen, macht alle möglichen Sportarten, Musik, geht in die Pubs und auf Parties, welche nur für Studenten zugänglich sind. Es ist also der geeignete Ort um die Schweden kennenzulernen und nach den Vorlesungen zu entspannen. Viel interessanter fanden wir jedoch die zahlreichen Wohnheimparties und Privatfeiern. Sehr empfehlenswert, wenn schon eine kleine Grundlage in schwedisch vorliegt, ist das Spex. Im Spex führen Studenten ein Musical auf, welches viel Humor beinhaltet und wirklich lustig ist. Traditionelle Feste zu besuchen lohnt sich im allgemeinen, sei es Lucia, Julbord (Weihnachtstisch), Mittsommer oder Karneval. Binnen weniger als 1 Stunde erreicht man Kopenhagen und somit eine kulturelle Hauptstadt Europas.

Kosten

Man sagt, daß Schweden teurer sei als Deutschland, doch wenn man hier die richtigen Geschäfte aufsucht, lebt es sich genauso (z.B. Willys). Die Wohnheimpreise sind extrem hoch, privat liegen die Preise ein wenig darunter. Nur mit viel Glück findet man Kieler Mietpreise. Befindet man sich gerade nicht in einer Nation, so kosten Lunch gut 5 Euro und mehr, und das billigste Bier einen mehr. In den Nationen jedoch erhält man beides für rund die Hälfte. Für Busfahrten erhält man von der Uni kein Semesterticket oder ähnliches, so daß Busfahren sich nicht als günstig herausstellt. Mit dem Letter of Acceptance erhält man gleichzeitig eine Studentenkrankenversicherung, die uns jedoch im Ernstfall nicht weitergeholfen hat. Das einzige, was uns vor hohen Kosten bewahrt hat, war die European Health Insurance Card der gesetzlichen Krankenkasse.

Fazit

Oben genannte Punkte klingen nach viel Arbeit und Schwierigkeiten, doch wenn man nicht ganz auf den Kopf gefallen ist, kann man auch diese überwinden, wir haben es ja auch geschafft. Der Aufenthalt hat uns prägende Erfahrungen und fachlich sowie sprachlich und menschlich weiterführende Kompetenzen vermittelt. Zum Nachahmen empfohlen!

 


Der vollständige Erfahrungsbericht inklusive Kontaktdaten kann im International Center eingesehen werden.