USA - Kansas 2006/07

University of Kansas

Studienaufenthalt: Studienjahr 2006/07
Austauschprogramm: Direktaustausch


 

Anreise

Mit dem Visum in der Tasche ging es von Hamburg zuerst nach New York und von dort aus nach Kansas City. Die Einreise verlief völlig problemlos. Man braucht allerdings etwas Geduld, bis man endlich am Ziel angekommen ist. Reisezeit ca. 10-12 h. Viel mehr Zeit wird vorher benötigt, um den Aufenthalt vorzubereiten (Impfungen bekommen, Visum beschaffen, ...)

Ankunft

Ich hatte das Glück, dass ich schon vorher eine Wohnung gefunden hatte bei einer ehemaligen Austausch-Studentin aus Stuttgart (gleiches Programm wie in Kiel), die nach ihrem ersten Jahr in Kansas geblieben ist und dort mittlerweile zusammen mit ihrem Ehemann ein Haus besitzt und Zimmer vermietet. Von ihr und einer ehemaligen Kielerin (auch Direct Exchange und dort geblieben), die mit in dem Haus wohnte, wurde ich vom Flughafen abgeholt. Es gibt allerdings auch die Möglichkeit, mit einen Shuttle-Bus nach Lawrence zu fahren. Hier sollte man sich allerdings vorher erkundigen, da man sonst auch u.U. lange Wartezeiten in Kauf nehmen muss.

Betreuung

Die erste Woche war die „Orientation Week“. In dieser Zeit lernt man den Campus kennen, bekommt seinen Computerzugang, stellt sich beim AEC vor (Englisch-Kenntnisse nachweisen durch TOEFL), erledigt andere Formalitäten (z.B. Gesundheitscheck) und macht erste Bekanntschaften. Dabei wohnt man zusammen mit den anderen Internationals in einem Wohnheim am Rande des Campus (man kann auch woanders bleiben). Während dieser Woche sollte man auch ein Konto bei einer der Banken eröffnen. Für Studenten ist dies kostenlos.
Die Betreung des Austauschprogramms übernimmt Hodgie Bricke. Bei ihr sollte man sich auch während der Orientation Week melden. Sie regelt die Formalitäten mit der Uni, damit man später auch sein Geld bekommt.
Ansonsten wird jedem Studenten ein Advisor in seinem Department zugeordnet, mit dem man seine Kurswahl bespricht und der auch sonst Ratschläge zum Studium geben kann. Die Betreuung war insgesamt sehr gut und die Leute waren immer sehr bemüht, einem auch wirklich weiterzuhelfen.

Finanzen

Das Stipendium umfasst bekanntlich die Studiengebühren und ein „Gehalt“ von $750. Die Campus-Gebühren von ca. $300 pro Semester sind darin nicht enthalten. Da ich Steuern zahlen musste, bekam ich nur $607 ausgezahlt. Das reicht zwar für Miete und ein wenig Verpflegung, man kommt aber sehr schnell an die Grenzen des Budgets, wenn man zu Beginn des Semesters Bücher kaufen muss. Dabei kann man ganz schnell über $100 ausgeben. Außerdem habe ich die erste Zahlung erst im Oktober bekommen, sodass man noch eine gewisse Reserve haben sollte. Im neuen Jahr macht man dann seine Steuererklärung, erhält die gezahlten Steuern zurück und freut sich über das viele Geld. Hierfür gibt es extra Workshops für ausländische Studenten, bei denen genau erklärt wird, wie welches Formular ausgefüllt wird. Der Bürokratieaufwand ist dort keinesfalls geringer als hier!

Kurswahl

Man kann sich seine Kurse mehr oder weniger frei aussuchen. Man geht mit seinen Vorstellungen zu seinem Advisor oder lässt sich von ihm/ihr beraten. Bei mir gab es dabei keinerlei Probleme und ich konnte immer die Kurse belegen, die ich mir auch vorher ausgesucht hatte. Das Kursangebot in der Physik ist in Ordnung, aber nicht übermäßig groß. Einschreiben kann man sich für die Kurse im Internet, wo man auch später seine Noten einsehen kann.

Uni

Der Campus hat eine schöne Lage auf einem kleinen Berg in der Stadt und ist sehr international bevölkert. Die meisten ausländischen Studenten kommen sicherlich aus China, gefolgt von Indien. Man trifft auf sehr viele unterschiedliche Nationalitäten. Man wird auch schnell andere Deutsche auf dem Campus treffen. Bei mir hat es nicht lange gedauert, bis ich alle anderen Direct Exchange Studenten aus Deutschland kannte.
Die Bibliotheken sind sehr gut und haben lange geöffnet, sodass auch nächtliches Lernen möglich wird. Für Verpflegung zwischen den Vorlesungen gibt es mehrere Möglichkeiten auf dem Campus. Dort gibt es Sandwiches, Pizza, Sushi, ... , sodass jeder etwas für seinen Geschmack findet. Man muss sich allerdings auf höhere Preise als in der Mensa einstellen.

Unterricht

Der Unterricht war für mich im Fach Physik nicht sehr verschieden von dem, was ich aus Deutschland gewohnt war. Allerdings sind die Kurse meistens kleiner, ca. 8-20 Studenten (zumindest in den Graduate Kursen). Das Arbeitspensum war auch vergleichbar. Bei drei Kursen hat man schon eine ganze Menge zu tun. Hausaufgaben gibt es in nahezu jedem Kurs und meist auch ein bis zwei Klausuren und ein Termpaper (u.U. mit Vortrag). Der Aufwand pro Vorlesung ist damit doch etwas höher als in Deutschland. Bei den Mathematikern war es durchaus üblich, take-home finals zu bekommen. Diese mussten dann zu Hause bearbeitet werden und wurden wie eine ganz normale Klausur gewertet. Im Gegensatz zu Kiel gab es keine Übungen und die Hausaufgaben wurden nicht weiter besprochen. Insgesamt gesehen ist das System verschulter als bei uns.

Meine Kurse im Fall-Semester waren:

  • Elementary Particles I (D. Besson)
    Einführung in die Teilchenphysik. Leider konnte ich wie viele andere den Aufbau der Vorlesung nicht ganz durchschauen. Der Kurs war aber sehr interessant, da das Gebiet in Kiel nicht angeboten wird.
  • Electrodynamics II (T. Cravens)
    Im Prinzip die zweite Hälfte des Jackson, anpsruchsvoll.
  • Physical Measurements I (A. Bean)
    Niveau zwischen Anfänger- und Fortgeschrittenenpraktikum, wurde zu 2/3 als ein Teil des FP angerechnet, mit Vorlesung
  • Graduate Seminar (C. Timm)
    Seminar für Graduates im ersten Jahr, 15 min. Vortrag halten, Prof. Timm kommt aus Deutschland
  • High Energy Seminar (R. Ammar)
    Die Graduates mussten für Elementary Particles I einen 30 min. Vortrag halten. Dazu habe ich mit einem Programm Detektorkonfigurationen für die Neutrino-Suche am Südpol untersucht. Die Ergebnisse wurden dann im Seminar vorgestellt.

 

Im Spring-Semester waren es:

  • Plasma Physics (T. Cravens, M. Medvedev)
    Weiterführende Plasmaphysik. Da wir nur 5 Studenten waren, haben wir den Unterricht in Form von kleinen Vorträgen selbst gemacht. Geht über Exp-Physik VI hinaus.
  • Quantum Mechanics II (S. Han)
    Etwas Wiederholung von QM I, dann Themen wie Streutheorie, Dirac- und Klein-Gordon-Gleichung,...
  • Calculus of Variations (M. Oh)
    Wurde von Prof. Kosmol als weiterführende Vorlesung für das Nebenfach Mathe anerkannt.
  • Relativity (D. McKay, D. Lerner)
    Allgemeine Relativitätstheorie, wurde von einem Mathematiker und einem Physiker gehalten, sehr interessant
  • Space Plasma Physics Seminar (T. Cravens)
    Wurde als Seminar für das Physikalische Wahlpflichtfach anerkannt.

Am interessantesten waren sicherlich Relativity, Plasma Physics und Elementary Particles. Electrodynamics II und QM II haben die Grundlagen in diesen Fächern noch etwas vertieft.

Insgesamt ist das Niveau ähnlich wie in Kiel. Der Inhalt einer einzelnen Vorlesung ist oft nicht ganz so umfangreich, dafür hat man aber mehr Zeit für die einzelnen Themen, was manchmal ganz nützlich sein kann. Es wird nahezu immer nur ein Buch verwendet, welches man dann auch kaufen muss. Dies hat den Vorteil, dass man ein Buch wirklich einmal von vorne bis hinten durchlesen muss. Das Lesen weiterer Literatur kann durchaus hilfreich und angebracht sein, war aber oft nicht zwingend notwendig, da die Vorlesung meist sehr eng an das Buch angelehnt war.

 

Unterkunft

Wie schon gesagt bin ich bei einer Studentin aus Stuttgart untergekommen, die nach ihrem ersten Jahr in Kansas geblieben ist. Viele andere, die ich während der Orientation getroffen habe, haben sich in dieser Zeit eine Wohnung gesucht. Es sind eigentlich genügend Angebote vorhanden und man bekommt auch Hilfe bei der Wohnungssuche. Man sollte also nicht vorschnell aus Deutschland irgendetwas abschließen. Für mein Zimmer habe ich $300 bezahlt. Dazu kommen noch die üblichen Nebenkosten, sodass ich im Durchschnitt pro Monat $400-450 bezahlt habe.

Freizeit

Es gibt auf dem Campus sehr viele Möglichkeiten Sport zu treiben: ein sehr gutes Fitnesscenter, Tennisplätze, ... . Diese Angebote sind auch in der Campus-Gebühr enthalten. Daneben gibt es auch jede Menge Sport-Kurse.
Auch sonst wird Sport an der Uni groß geschrieben. Hier ist vor allem das Basketballteam zu nennen, das sehr erfolgreich ist. Die Spiele im Allen Fieldhouse sind immer sehr gut besucht. Daneben gibt es ein Football- und jede Menge andere Teams. Das Footballstadion fasst ca. 40.000 Leute und befindet sich am Rande des Campus. Vor den Spielen treffen sich die Leute immer schon vor dem Stadion zum BBQ, um sich auf das Spiel einzustimmen (tailgating).

Lawrence ist als Stadt sehr schön und bietet jede Menge Unterhaltungsmöglichkeiten. Es gibt viele Bars, Restaurants (z.B. mexikanisch, chinesisch, ...) und Cafes. Es findet sich eigentlich immer etwas, um abends etwas zu unternehmen, sofern man dazu Zeit und Lust hat. Man merkt sehr schnell, dass sich vieles um die Uni dreht. Fastfood-Ketten wird man in der Innenstadt nicht finden. Sie sind aber sonst über die ganze Stadt verstreut.

Zum Bussystem kann ich nicht viel sagen, da ich es eigentlich nicht genutzt habe. Es soll aber durchaus brauchbar sein. Ein Auto ist sehr nützlich zum Einkaufen, da die größeren Supermärkte alle am Stadtrand liegen. Sofern man kein eigenes hat, empfiehlt es sich, jemanden zu kennen, der eines besitzt. Ansonsten wird es schwer, größere Einkäufe zu machen. Fahrradfahrer sieht man allgemein sehr selten. Zum Campus bin ich immer gelaufen, da er nur ca. 20 min. entfernt war.

Reisen

Zeit für Reisen hat man z.B. während der Weihnachtsferien oder der Spring Break. Die Weihnachtspause habe ich für einen Abstecher nach New York genutzt und während der Spring Break war ich in Kalifornien. Beides waren sehr lohnenswerte Ziele. Besonders San Francisco hat mir gut gefallen. Man sollte die Gelegenheit nutzen, um etwas von den übrigen Staaten zu sehen. Die Flüge innerhalb der USA sind vergleichsweise billig und zu diesen Preisen wird es schwierig sein, nochmals solche Reisen zu unternehmen. In Kansas ist neben Lawrence sonst auch nicht viel zu erleben, und die Lage ist perfekt geeignet, um alle Ziele in den USA gleichermaßen günstig zu erreichen.

Fazit

Insgesamt gesehen sind die zwei Semester ziemlich schnell vorbei gegangen, da im Prinzip nie Langeweile aufkommt und man immer etwas zu tun hat. Viele andere bleiben auch nach dem eigentlichen Programm noch in Lawrence, um einen Master zu machen. Dies ist häufig möglich nach Absprache mit dem Department. Es hat mir in Lawrence sehr gut gefallen und ich kann jedem empfehlen, der ein Jahr in den USA verbringen möchte, Lawrence ernsthaft in Betracht zu ziehen. Gedanken wie „in Kansas ist ja nichts“ werden zumindest von Lawrence und der KU nicht bestätigt.

 


Der vollständige Erfahrungsbericht inklusive Kontaktdaten kann im International Center eingesehen werden.