England - Bath 2006/2007 - 2

University of Bath, England

Studienaufenthalt: WS 2006/07
Austauschprogramm: SOKRATES / ERASMUS


 

Vorbereitung

Neben den Erasmus-Formalitäten und der Bewerbung an der Gasthochschule (welches sich im Endeffekt auf das Ausfüllen des Bewerbungsformulars beschränkte) war der wichtigste Punkt das Suchen einer Wohnung in Bath, denn zumindest für Kieler Studenten gibt es keine Wohnheimplätze. Dazu gibt es von der University of Bath eine Online-Datenbank, in der private Vermieter ihre Wohnungen anbieten können. Das Passwort für diese Datenbank bekommt man nach der Annahme durch die Uni per eMail zugeschickt. Für meine Suche habe ich dann im Juli nahezu alle Vermieter aus der Datenbank angerufen (ungefähr 30 Telefonate soweit ich mich erinnere), leider hatte ich aber enorme Probleme, überhaupt auf Interesse der Vermieter zu stoßen, da ich nur für ein Semester bleiben wollte, die Vermieter aber jemanden suchten, der 10 Monate blieb. Schon nach den ersten Anrufen habe ich mich dann bereit erklärt, den gesamten September zu bezahlen, obwohl ich ja erst am 27. anreisen wollte. Leider hat dies auch nicht viel geholfen, so dass von den 30 Anrufen nur 3 Interessenten übrig blieben. Ich habe dann kurzfristig einen Flug gebucht um mir die 3 Wohnungen anzugucken. Bei den Besichtigungen haben sich dann 2 Vermieter doch entgegen ihren Aussagen am Telefon entschieden, niemanden für nur 5 Monate zu nehmen. Der letzte verbliebene Vermieter hat mir dann ebenso mitgeteilt, dass er von 5 Monaten wenig begeistert ist, mir aber angeboten, einen Vertrag für 10 Monate zu unterschreiben und mich nach 5 Monaten aus dem Vertrag zu entlassen, falls ich einen Nachmieter stellen könnte. Nach Rücksprache mit der Uni ob eine Chance besteht, Ende Januar einen Nachmieter zu finden, habe ich dann mangels Alternative zugesagt. Die Wohnung kostete 260 Pfund pro Monat, excl. bills (Gas und Strom, ca. 30-40 Pfund extra im Winter) und das Zimmer hatte ca. 9qm. Meine Mitbewohner bestanden aus 3 Chinesen und es stand neben einer voll ausgestatteten Küche ein Wohnzimmer mit Couch und Kabelfernsehen sowie eine Waschmaschine mit Trockner zur Verfügung.

Neben den üblichen Dingen wie Auslandskrankenversicherung, Kündigung der Wohnung in Deutschland und Buchen des Fluges habe ich keine weiteren besonderen Vorbereitungen unternommen.

Anreise/Ankunft/1. Anlaufstellen

Zur Anreise ist folgendes zu sagen: Im Sommer gibt es einen Flug mit Easyjet von Hamburg direkt nach Bristol. Leider habe ich diesen aber nie genutzt. Wenn man mit Ryanair von Lübeck aus fliegt, sollte man den Zug nach Bath 1-3 Wochen (je nach Jahreszeit und erwartetem Andrang) im Voraus buchen (z.B. auf www.thetrainline.co.uk), da es dann stark vergünstigte Preise gibt, sofern man sich auf eine genaue Abfahrtszeit festlegt. Allerdings sollte man dann seinen Zug auch wirklich nicht verpassen, da sonst aus 15 Pfund schnell 50 Pfund und mehr werden. Noch ein Tipp: Wenn man direkt von Stansted nach Bath im Voraus bucht und dann die Fahrkarte am Flughafen aus dem Automaten zieht, ist es am billigsten, man kommt dann mit ca. 15 Pfund von Stansted nach Bath. Eine weitere Möglichkeit ist auch noch, über Dublin zu fliegen, da von Dublin 4 mal am Tag ein Flug nach Bristol geht. Da meine Freundin zur Zeit meines Aufenthaltes in Dublin war, habe ich diese Möglichkeit genutzt.

Da ich eine private Unterkunft hatte, musste ich mich zwecks Einzug in meine Wohnung (bzw. mein Zimmer) mit dem Vermieter auch privat auf einen Übergabetermin einigen, dies hat perfekt geklappt, wenn man einmal vom Bussystem in Bath absieht. Wenn man dieses das erste mal benutzt, ist es sehr verwirrend und nervig. Einmal gibt es nur Fahrpläne für einige weiter auseinander liegende Haltestellen, welche aber auch nur selten an der Haltestelle aushängen. Dazwischen muss man dann interpolieren. Das ganze ist aber sowieso nur sekundär wichtig, da die Busse selten pünktlich kommen, Verspätungen von 15min muss man durchaus einkalkulieren. Es kann einem auch öfter passieren, dass der Bus halt voll ist und man dann eine Stunde auf den nächsten warten muss. Für den Anfänger am schlimmsten ist aber sicherlich, dass nur an sehr wenigen Haltestellen dran steht, welcher Bus die Haltestelle bedient oder in welche Richtung der Bus fahren wird. Hier hilft nur Raten oder am besten einen Passanten fragen. Diese helfen sehr gerne, oft wird man auch von alleine angesprochen, falls klar ist, dass man an der falschen Haltestelle steht. Aufgrund der Unzuverlässigkeit der Busse und dem nicht niedrigen Preis (13 Wochen für ca. 70 Pfund oder 1-3 Pfund pro Fahrt) ist evtl. die Anschaffung eines Fahrrades lohnenswert, die Uni liegt allerdings auf einem wirklich sehr hohen Berg, dafür sind es aber nur ca. 3km bis in die Innenstadt.

In der Uni gibt es in der ersten Woche an jedem Tag Einführungsveranstaltungen. Einmal natürlich für die neuen einheimischen Studenten, für die neben Informationsveranstaltungen von der Uni eine riesige Auswahl an Parties besteht. Zu diesen Parties kann man als Austauschstudent natürlich auch gehen, ich war allerdings bei keiner. Wenn man auf ausgelassene Feiern steht, findet man aber sicherlich etwas passendes, halbnackte Engländer nur mit einem Bettlaken bekleidet waren z.B. keine Seltenheit. Speziell für neue internationale Studenten gibt es natürlich auch einige Events. Angefangen bei einem Treffpunkt, an dem man Informationen über weitere Veranstaltungen bekommen und natürlich erste Kontakte knüpfen kann, gibt es jeden Tag mehrere Vorträge über Besonderheiten des Lebens in England, angebotene Sprachkurse und vieles weiteres interessantes, darunter natürlich auch Parties und Abendveranstaltungen für die Internationalen. Teilnahme an letzteren ist zwecks Kennenlernen von anderen Studenten natürlich dringend zu empfehlen.

Betreuung und Aufnahme

Zur Betreuung kann ich nur begrenzt etwas sagen. Eigentlich hatte ich während meines Aufenthaltes keinen weiteren Beratungsbedarf, da auf den Einführungsveranstaltungen und Anleitungen, die man im Voraus per Post erhält, alles ausführlich erklärt war. Ansonsten steht der Erasmus-Beauftrage (Program coordinator) zur Verfügung, den ich aber nur genau zweimal getroffen habe: Am Anfang zur Vorstellung und am Ende zur Verabschiedung. Man muss auf jeden Fall seine Vorlesungswahl von ihm absegnen lassen, was aber von Seiten der Uni in Bath kein Problem ist. Ich könnte auch den ganzen Tag in der Sonne liegen, solange Kiel mitspielt, sei ihm das egal.

Man kann sich wohl auch noch um einen Tutor kümmern, mit dem man dann gerechnete Aufgabenzettel durchsprechen kann oder so, aber auch dazu empfand ich keinen Bedarf. 

Unterbringung

Wie bereits geschrieben musste ich mir eine private Unterkunft suchen. Leider gab es nach Einzug hiermit enorme Probleme: Mein Zimmer grenzte direkt ans Badezimmer, welches leider nicht fachmännisch gebaut war. Dies führte dazu, dass nach jedem Duschen Wasser in mein Zimmer lief, welches sich dann hinter einem Schrank sammelte und nach kurzer Zeit zu enormen Schimmelbefall führte. Der Vermieter befand sich leider für mind. 4 Wochen auf Jamaika und seine Vertretung zeigte sich ziemlich unfähig, den Schaden zu reparieren. Da ich inzwischen im Wohnzimmer schlief, wurde ich nach dem 5. oder 6. erfolglosen Versuch dann irgendwann ungeduldig und liess mir die Handynummer des Vermieters auf Jamaika geben. Nach etwas hin und her erklärte er sich dann bereit, mich sofort aus dem Vertrag zu entlassen. Ich begab mich dann erneut auf die Suche und dieses Mal hatte ich mehr Glück: Nach nur 5 Anrufen fand ich ein Zimmer bei einer Landlady, die bereits mit 2 anderen Mietern zusammen wohnte. Das Zimmer war zwar sehr teuer (365 Pfund incl. bills) und auch nicht größer als das erste, aber verglichen mit diesem dafür in einem deutlich besseren Zustand. Auch hier standen Wohnzimmer (deutlich größer als in der ersten Wohnung), Küche und Waschmaschine zur Verfügung. Für die Mieter gab es ein separates Bad. Besonders genial war, dass einmal pro Woche eine Reinigungskraft kam, die Bad und Küche geputzt hat. Zu beiden Wohnungen ist noch zu sagen, dass es sich jedesmal um ganze Häuser mit eigenem Garten gehandelt hat. In der zweiten Wohnung verstand ich mich sehr gut mit der Landlady, diese hat mich mehrmals mit ihrem Auto in die Stadt gefahren (und zu meinen Prüfungen sogar in die Uni) und ich habe Abends häufiger Unterhaltungen mit ihr geführt. Als meine Freundin mich besucht hat, hat sie uns sogar ein Doppelbett im Gästezimmer zur Verfügung gestellt. Vor dem Aufenthalt hatte ich gemischte Gefühle was das Zusammenleben mit dem Vermieter angeht, aber im Nachhinein war es eine sehr gute Sache, die einem auch Kontakt zu einer anderen Altersschicht der Einheimischen ermöglicht. Auch von anderen Studenten habe ich von mit ihnen zusammen lebenden Vermietern nur Gutes gehört (im Gegensatz zu einigen unangenehmen Erlebnissen mit anderen Studenten).

Noch ein paar Worte zur Wohungssuche in Bath: Auf keinen Fall irgendeine Wohung ohne Besichtigung nehmen, es gibt wirklich ziemlich viel Mist auf dem Markt und die einheimischen Studenten lassen ihre Wohnungen teilweise extrem verdrecken. Man sollte da gut aussuchen, mit wem man zusammen ziehen will. Ich denke nicht, dass es sehr klug war, schon im Juli mit der Suche zu beginnen, viele andere Studenten, die erst im August oder sogar September gesucht haben, haben einfacher etwas gefunden. Selbst nach Beginn des Semesters findet man noch etwas (wie meine erneute Suche zeigt).

Studium und Universität (Besonderheiten etc.)

Die Auswahl der Kurse kann man zwar online schon von zu Hause erledigen und mit dem Programmbeauftragten absprechen, aber man kann diese Auswahl von Seiten der Uni Bath hinterher ohne Probleme wieder verändern. Sehr hilfreich ist hier, dass man die Auswahl erst 2 Wochen nach Beginn der Vorlesungen festlegen muss, so dass man auch ruhig am Anfang mehr hören kann als man behalten möchte.
Zum Inhalt muss ich sagen, dass zumindest in Physik, Mathe und besonders Informatik das Niveau niedriger ist als in Kiel. Das liegt einmal sicher daran, dass ich Kurse aus dem 3. Jahr gehört habe, allerdings in Deutschland bereits das 4. Jahr abgeschlossen hatte. Doch auch verglichen mit Kursen aus dem 3. Jahr in Kiel war das Niveau niedriger. Es ist allerdings auch so, dass man nahezu alles wissen muss, was während der Vorlesung dran kam, in Kiel kann man für die Klausur die schwierigen Herleitungen ja schon weglassen. Jeder Kurs in Bath wird benotet und abgeprüft, meist durch eine Klausur in den letzten zwei Wochen des Semesters und oft auch zusätzlich durch eine Hausarbeit in der Mitte des Semesters, die man häufig zusammen mit anderen Studenten schreiben muss. Zum Arbeitsaufwand: Ich habe während des Semesters außer dem Besuch der Vorlesungen wenig getan, meist habe ich noch nicht einmal alle Aufgabenzettel gerechnet. Nach dem Jahreswechsel habe ich dann ca. 2 Wochen durchgehend gelernt und damit Kurse für 18 Credits mit „Gut“ bestanden (12 Credits für Sprach- und Gesellschaftskurse hatte ich bereits durch andere Prüfungsleistungen vor Weihnachten bekommen). Das Bewertungssystem ist sehr unterschiedlich zum Notensystem in Deutschland, es gibt Prozentpunkte, wobei aber über 80% nahezu unmöglich zu erreichen sind. Die Umrechnung in deutsche Noten geht dann ungefähr so: Über 70% entspricht 1, Über 60% 2, Über 50% 3 und über 40% 4. Unter 40% ist man durchgefallen.

Noch ein vielleicht wichtiger Hinweis: Entgegen den Informationen aus den Schreiben der Uni Bath durfte ich einen Master Kurs hören (Mathematical Biology), der sich vom Bachelor Kurs aber nur dadurch unterschied, dass die Hausarbeit umfangreicher war. Ansonsten war es die gleiche Vorlesung.

Übrigens: Die Bibliothek hat 24/7 geöffnet und es gibt überall kostenloses WLAN auf dem Campus.

Sprachkurse

Es werden sehr viele Sprachkurse für unterschiedlichste Bereiche angeboten. Ich habe 2 Kurse gemacht, wobei „Informal spoken language“ sehr gut war und „Business English“ eher schlecht. Im ersten Kurs haben wir viel mit anderen Studenten diskutiert und uns z.B. Zeitungsartikel gegenseitig vorgestellt oder Radiowerbung analysiert. Im zweiten Kurs haben wir meist Lückentexte ausgefüllt, die teilweise nur aus den richtigen Formen für „If-Sätze“ bestanden haben. Zusätzlich gibt es noch Kurse über britische Geschichte und Gesellschaft, ich habe hier „Modern British Society“ gehört. Der Kurs war interessant, allerdings auch unerwartet viel Arbeit, da zwei Essays geschrieben und eine Referat gehalten werden mussten.

Freizeit

Bath hat sehr viele Pubs, zwei Kinos und ein Theater. Außerdem bietet die Uni für internationale Studenten an vielen Wochenenden Touren in die Umgebung an. Diese lohnen sich sehr, da man hier einmal sehr gut andere Studenten kennen lernt und außerdem sind sie auch meist deutlich billiger, als wenn man die Ziele auf eigene Faust besucht. Desweiteren gibt es sehr viele Societies und Sportclubs, bei denen man fast jeder Sportart und viele andere Dingen machen kann. Ich habe es eine Zeit lang mit Rollenspiel probiert, irgendwann wurde mir dies aber zu viel, da man auch so eigentlich fast immer irgendetwas zu tun hat.

Kosten

Die Mietkosten habe ich oben ja schon erwähnt, sie gehen von 250 – 360 Pfund für ein kleines Zimmer, wobei manchmal noch Gas und Strom für ca. 30-40 Pfund hinzu kommt. Ansonsten ist vieles etwas teurer als in Deutschland. Lebensmittel bekommt man entweder sehr teuer in kleinen Shops direkt in den Wohngebieten oder in größeren Geschäften wie Sainsburys oder Morrisons, welche auch Sonntags und meist bis 22 Uhr geöffnet haben. Hier sind die Preise ungefähr vergleichbar teureren Geschäften in Kiel. Es gibt in der Umgebung von Bath auch Aldi und Lidl, aber ohne Auto kommt man da quasi nicht hin, ich war nie da und kann daher auch nichts über die Preise sagen. Ein Busticket kostet ca. 70 Pfund für 13 Wochen, was bereits der Studentenpreis ist. Die einzelne Fahrt schlägt mit 1-3 Pfund zu buche. Ein Pint Bier im Pub kostet ca. 2-3 Pfund, Kino 5,50 Pfund.

Links/Hilfreiche Informationsquellen

Auf der Seite der Uni gibt es viele hilfreiche Informationen, Zugtickets kann man auf www.thetrainline.co.uk buchen.

Fazit

Ich kann den Aufenthalt in Bath nur empfehlen, man lernt viele nette Leute kennen und das Studium ist zwar nicht besonders anspruchsvoll, aber doch sehr interessant. Bath ist im Übrigen auch als Tourist absolut einen Besuch wert.


Der vollständige Erfahrungsbericht inklusive Kontaktdaten kann im International Center eingesehen werden.